Der Montag, den wir nicht füllen mussten

Zwei Kleinkinder, ein Tag ohne Plan – und ich hatte trotzdem das Gefühl, etwas geschafft zu haben.
Früher habe ich mich an Montagen oft gefragt: Wie fülle ich diesen Tag? Heute, mit zwei Kindern zu Hause, ist die Frage eine andere geworden: Wie kriege ich den Tag rum – und trotzdem noch etwas erledigt?
Heute kam die Frage gar nicht auf.
Die Kinder waren zuerst wach und haben uns geweckt. Frühstück, Duschen, alle fertig gemacht. Dann sind wir raus in den Garten.
Eigentlich wollten die Kinder Laufradfahren gehen, doch ihr Freund aus der Straße war im Kindergarten. Unser Garten ist noch eine Großbaustelle mit vielen ToDos. Mein Plan war: das alte Laub und die Äste, die sich kreuz und quer türmen, in den stillgelegten Brunnen schütten – der bald aufgeschüttet wird und weg muss. Eva und Noah machten sich auf den Weg zum Bäcker. Johann und ich starteten mit Rechen und Schubkarre, das Holz wegzukarren und in den muffigen, tiefen Schacht zu schütten.
Als Eva und Noah wiederkamen, hatten wir gut was geschafft. Und dann ergab sich etwas, das wir mit zwei Kleinkindern bisher selten erlebt haben: Die Arbeitsdynamik nahm eine natürliche Form an. Wir hatten immer mehr Ideen, was wir kreativ im Garten schaffen konnten.
Vom Hausbau war noch Schüttung übrig – damit haben wir den lehmigen Boden aufgeschüttet, der bei Regen immer an unseren Füßen klebt. Um die Schüttung zu verdichten, sind wir einfach mit dem Auto immer wieder drüber gefahren. Aus alten Holzbohlen haben wir eine Treppe in den Hang gebaut, die wir mit schönen Steinen verziert haben.
Und weil wir schon lange eine Matschküche für die Kinder bauen wollten, haben wir das auch gemacht. Eine alte Palette. Ausrangierte Blumenkästen. Strohhalme für den Ablauf. Ein paar übrige Regale und Haken.
Daraus ist eine richtig schöne Matschküche entstanden.
Irgendwann musste ich an Kristian Dittmann denken. Er hat die Seegras-Manufaktur gegründet und ein Buch mit dem Titel „Einfach leben". Er beschreibt, dass beim Bauen ein natürlicher Fluss entstehen kann, wenn man zuerst überlegt: Was soll es können? Und dann schaut: Was ist bereits da?
Man kann alles in Waage ausrichten und schön montieren. Aber wenn etwas vor allem funktionieren soll, findet man mit dem, was vorhanden ist, erstaunlich schnell eine Lösung. Es kostet wenig. Es macht Spaß. Am Ende hat man etwas selbst geschaffen.
Von zehn bis sechzehn Uhr haben wir gemeinsam geschraubt, gebaggert, gekiest und gebaut. Die Kinder freuen sich riesig über ihre Matschküche. Und der ganze Tag hat sich vollkommen natürlich angefühlt.
Ich habe ihn nicht gefüllt. Er hat sich selbst gefüllt.
So kann Leben sein.
PS: Kristian hat ein tolles Interview gegeben über die Einfachheit des Lebens https://www.youtube.com/watch?v=EBEVlwEsuuM